Projektvorstellung

Zu den Projektergebnissen

 

Wissenstransfer im Allgemeinen, ob aus der Forschung in die unternehmerische Praxis, vom Experten zur Politik oder in die Bevölkerung, ist nur rudimentär entwickelt. Oftmals scheint die Annahme vorzuherrschen, dass das bloße Bereitstellen von Informationen (etwa in Broschüren oder auf Websites) eine hinreichende Verbreitungsmaßnahme sei. Nicht untersucht wird dabei, ob diese Form des Wissenstransfers überhaupt auf Resonanz trifft, geschweige denn, ob die so kommunizierten Innovationen tatsächlich angenommen werden.

Doch selbst ausgeklügelte Informationssysteme oder Bildungskonzepte entfalten nicht immer die erhoffte Wirkung. Kommunikation beschränkt sich zu oft auf die Kommunikation mit Medien oder verharrt innerhalb der beteiligten Netzwerke. Erreicht werden über diesen Weg nur die „strong believers“, diejenigen, die den Nachhaltigkeitsgedanken bereits unterstützen.


Schwerpunkt: Breite der Bevölkerung erreichen

Das vorliegende Projekt stellt nun nicht die Frage in den Mittelpunkt, wie man die „opposers“ (also die Gegner des Nachhaltigkeitskonzepts) überzeugen kann. Zentral ist hingegen die Frage, wie das Gros der Bevölkerung, das zwischen beiden Positionen steht, erreicht werden kann.

Gerade in Bezug auf diese Gruppe lässt sich festhalten, dass Transferstrategien heute daran kranken, nicht hinreichend systematisch und empirisch fundiert zu sein und letztlich oftmals konzeptlos wirken. Dies zeigt sich besonders an der unzureichenden Bestimmung der Kriterien für eine Innovationsadaption seitens der Rezipienten – der gesellschaftlichen Akteure. Also genau derer, die mit einer Innovation angesprochen werden und entsprechend handeln sollen.

Das Forschungsvorhaben „Integrierte Transfer-Strategie“ (ITS) zielt darauf ab, auf Basis einer empirischen und zukunftsorientierten Studie die Bedingungen zu bestimmen, die aus Sicht von Experten und Bürgern für die Möglichkeit eines erfolgreichen Transfers von innovativem und nachhaltigem Wissen in die Gesellschaft entscheidend sind. Wir konzentrieren uns also auf Umsetzungsstrategien von Innovationen aus der Nachhaltigkeitsforschung in die Bevölkerung.


Referenzthemenfeld: Nachhaltige Flächennutzung

Als thematischer und exemplarischer Rahmen für die Untersuchung des Wissens- und Innovationstransfers aus der Nachhaltigkeitsforschung in die Bevölkerung dient der Themenkomplex „Nachhaltige Flächennutzung“: ein soziales Feld von Innovationen im Bereich der Nachhaltigkeit, das eine gesamtgesellschaftliche Relevanz aufweist und einen konkreten Anwendungsbezug hat.

Unter folgendem Link können Sie sich die pdf-Datei eines Mindmap mit möglichen und wünschbaren Innovationen im Bereich Flächennutzung herunterladen: Mindmap Landnutzungsinnovationen (Copyright © 2008 Institut Futur. All rights reserved.)


Hypothesen:

Unter Bezugnahme auf die aktuelle Debatte im Bereich der nachhaltigen Landnutzungssysteme sowie den Forschungskontext der Innovations- und Technikanalyse lassen sich folgende Hypothesen für das Forschungsprojekt formulieren:

• Mentale Strukturen haben eine zentrale Bedeutung für das Gelingen des Transfers von nachhaltigen Innovationen in die Gesellschaft: Die individuelle und subjektive Bewertung einer Innovation und die Ausbildung einer Überzeugung über die wahrgenommenen Charakteristika dieser Innovation nach Maßgabe dieser mentalen Strukturen sind entscheidende Faktoren, die zu einem Gelingen oder Misslingen des Transfers beitragen. Für unser Beispiel heißt das: Das Ausmaß und die Qualität der im Rahmen einer nachhaltigen Landschaftsnutzung geforderten multifunktionalen Landschaftsbewertung wird maßgeblich von mentalen Strukturen bestimmt.

• Die Experteneinschätzungen zu relevanten Faktoren für die Adaption einer Innovation unterscheiden sich von einer subjektiven Laieneinschätzung. Der daraus entstehende Widerspruch zwischen von mentalen Strukturen geprägten Motiven der Innovationsadaption oder -verweigerung und allgemeinen gesellschaftlich-politischen Interessen („gesellschaftliches Problembewusstsein“) führt zu einer Beeinträchtigung des Transfererfolges für nachhaltige Innovationen.

• In der Reaktion auf eine bestimmte Innovation nach Maßgabe der mentalen Strukturen des jeweiligen sozialen Akteurs lassen sich Typen von Innovationsadaptoren oder -verweigerern identifizieren. Für unser Beispiel heißt das, dass das generelle Interesse einer Person an der Flächenthematik möglicherweise eine positive Adaption eher begünstigt, während mangelnde Reflexivität diese eher verhindert. Letzteres wäre dann darauf zurückzuführen, dass die Sinnhaftigkeit etwa einer innovativen Flächenumgestaltung sich dem Betroffenen nicht erschließt, weil er für sich persönlich negative Konsequenzen befürchtet, während eine reflektierte gesamtgesellschaftliche Sichtweise den Nutzen der Innovation aufzeigen würde.

• Diese Typen von Innovationsadaptoren oder -verweigerern können und müssen auf je unterschiedliche Art erreicht werden: durch Kommunikationsstrategien (bspw. neue Leitbilder für Stadt und Land), politische Steuerungsinstrumente (z. B. Flächenzertifikate), ökonomische Anreize usw.

• Die Erkenntnisse zur Bedeutung von mentalen Strukturen und zur Existenz verschiedener Typen ermöglichen also die Erarbeitung empirisch fundierter, zielgerichteter Transferstrategien und stärken die Handlungsorientierung von Politik und Ökonomie.

 

Methodischer Ansatz:

Ansatz schematisch dargestellt

Expertenrunde und ExpertendelphiDelphimethode

Einberufung einer Expertenrunde zur Explikation des Themenfeldes und anschließend die Durchführung eines zweistufigen Expertendelphis. Dieses ermöglicht eine spezifischere Auswahl und die Bestimmung von zukünftig wünschbaren und wahrscheinlichen Innovationen im Bereich der Landnutzung mit ihrer potentiellen Relevanz für die nächsten zwanzig Jahre. Zudem sollen hier die Funktionen von Landnutzung in ihrer Zahl und Relevanz und denkbare Konflikte zwischen diesen Funktionen identifiziert werden.


Bevölkerungsdelphi

Mit diesem Expertenwissen sollen schwerpunktmäßig potentiell von den Innovationen Betroffene und Innovationsnutzer in Form eines ebenfalls zweistufigen Bevölkerungsdelphis konfrontiert werden:

- Sind die von Experten bestimmten und umschriebenen Innovationen in der Bevölkerung resonanzfähig und werden sie in Hinblick auf Handlungsmöglichkeiten akzeptiert, bzw. gibt es eine Bereitschaft zur Adaption?

- Welche Rolle spielen dabei insbesondere die mentalen Strukturen der einzelnen gesellschaftlichen Akteure, also etwa Ambiguitätstoleranz, systemisches Vertrauen aus subjektiver Sicht für die Zustimmung und Adaption oder auch Ablehnung einer Innovation?

- Lassen sich anhand der Untersuchung dieser mentalen Strukturen Typen unter den potentiellen Adaptoren, Desinteressierten und Verweigerern identifizieren, und was kennzeichnet sie?

- Welche Strategien der Kommunikation von nachhaltigen Innovationen lassen sich für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen entwerfen?

 

Bürgermeisterdelphi

Ergänzend werden kommunalpolitische Entscheidungsträger in einer dritten Studie zur Zukunft der Flächennutzung in Deutschland befragt. Bei der Einschätzung zu wahrscheinlichen und erwünschten Entwicklungen liegen ihnen die Ergebnisse aus der Experten- und der Bevölkerungsstudie vor.

 

Projektergebnisse zum Download

Ergebnisse der drei Studien im Vergleich (Experten-, Bevölkerungs- und Kommunaldelphi)

Ergebnisse des Expertendelphi

Zweite Befragungsrunde des Expertendelphi

Vortrag bei einer Regionaltagung der Evangelischen Akademie Villigst zum Thema "Zukunftsperspektiven für ländliche Räume"

Dokumentation der Expertenrunde

 

 

Aktualisiert ( Montag, 12. April 2010 um 14:45 )